Rezept-Überblick
In diesem Rezept erklären wir euch, wie ihr eine Cannabis Tinktur herstellt, welche zum direkten Verzehr oder zur Weiterverarbeitung in Edibles geeignet ist.
Zutaten
- 200 ml Weingeist (Trinkalkohol) 96 %
- 10 g Decarboxyliertes Cannabis
Zubereitung
WICHTIG – Dosierung
Die Dosierung dieses Rezeptes geht bei der Zubereitung von folgenden Faktoren aus:
10 gr. Cannabisblüten mit 18% THCA Gehalt, 90%ige Effizienz bei der Decarboxylierung des Cannabis, 200 ml Tinktur
Diese Vorgehensweise ergibt rein rechnerisch eine Dosierung von 8,5 mg Cannabis pro Milliliter Tinktur, was eine vorsichtig durchschnittliche Dosierung beschreibt (20 Tropfen ergeben in etwa 1 ml. 1 Tropfen entspricht in etwa 0,05 ml).
Achtet bei dem Verzehr dieser Tinktur oder der Weiterverarbeitung in Edibles darauf, dass ihr diese Angaben berücksichtigt. Fangt mit etwas weniger an und tastet euch langsam an eine für euch verträgliche Dosis heran. Für eine Einschätzung der Wirkung könnt ihr euch an der oben stehenden Grafik orientieren. Für eine individuelle Berechnung nutzt gerne die tiefergehenden Informationen in unserem Beitrag über die Dosierung von Edibles.

Utensilien
Für dieses Rezept benötigt ihr noch folgende weitere Utensilien:
– 200 ml Weingeist (Trinkalkohol) 96 %
– Kleine 30 ml Pipettenflaschen für die fertige Tinktur
– Drahtbügel-Einmachgläser
– Passiertuch
Einmachglas vorbereiten
Fülle den Trinkalkohol und dein decarboxyliertes Cannabis in das Einmachglas. Das Cannabis muss vollständig mit Alkohol bedeckt sein. Rühre alles gut um.
Lagerung und Pflege
Lagere nun deine Tinkturmischung mindestens 4 Wochen an einem kühlen, trockenen und dunklen Ort. Wichtig ist es, dass die Tinktur in dieser Zeit 1 x täglich durchgerührt oder geschüttelt wird, damit der Alkohol die Wirkstoffe gut aus dem Cannabis lösen kann.
Je länger desto stärker
Je länger du diese Tinktur lagerst und pflegst, desto stärker wird sie in ihrer Wirkung. Achte darauf, dass deine Tinktur nicht zu stark wird. Du kannst dich an der oberen Tabelle orientieren für eine ungefähre Dosierung.
Filtern und Abfüllen
Nachdem die Tinktur fertig ist, kannst du diese nun durch deinen Filter oder Käsetuch filtrieren und anschließend in die Pipettenflaschen füllen. Fertig.
Wie stark wird die Tinktur?
Mit 10 g decarboxyliertem Cannabis auf 200 ml Alkohol lässt sich der Gehalt gut abschätzen. Bei 15 Prozent THC im Ausgangsmaterial:
- 10 × 1.000 × 0,15 = 1.500 mg THCA
- × 0,88 (Umrechnung THCA zu THC) = 1.320 mg
- × 0,9 (Decarboxylierung) = 1.188 mg
- × 0,7 (Extraktion in Alkohol) = rund 830 mg THC in 200 ml
Das sind etwa 4 mg THC pro Milliliter – oder rund 0,2 mg pro Tropfen, wenn man mit 20 Tropfen je Milliliter rechnet.
| Menge | THC (bei 4 mg/ml) | Einschätzung |
|---|---|---|
| 10 Tropfen | ca. 2 mg | vorsichtiger Einstieg |
| 0,5 ml (ca. 25 Tropfen) | ca. 2,5 mg | übliche Einstiegsdosis |
| 1 ml (ca. 1 Pipette) | ca. 4 mg | moderat |
| 2,5 ml | ca. 10 mg | deutlich spürbar |
Genau darin liegt der große Vorteil der Tinktur gegenüber jedem Backrezept: Du kannst tropfenweise dosieren statt in Keksen zu rechnen. Wer seine Verträglichkeit erst herausfinden will, ist mit einer Tinktur besser bedient als mit Edibles.
Unter die Zunge oder geschluckt – das ist ein Unterschied
Der meistunterschätzte Punkt bei Tinkturen: Der Aufnahmeweg entscheidet über Wirkeintritt und Stärke.
Sublingual – also unter die Zunge geben und dort 60 bis 90 Sekunden halten, bevor du schluckst – führt zur Aufnahme über die Mundschleimhaut. Die Wirkung setzt nach 15 bis 45 Minuten ein, fällt oft klarer aus und hält zwei bis vier Stunden an. Weil der Weg über die Leber größtenteils umgangen wird, entsteht weniger vom stark wirksamen Abbauprodukt 11-Hydroxy-THC.
Geschluckt – etwa in Tee, Saft oder aufs Essen getröpfelt – verhält sich wie jedes andere Edible: 30 bis 120 Minuten bis zum Wirkeintritt, Stärkepunkt nach zwei bis vier Stunden, vier bis acht Stunden Gesamtdauer, und durch den Leberstoffwechsel deutlich intensiver.
Praktisch heißt das: Dieselbe Tropfenzahl kann sehr unterschiedlich ankommen. Wenn du deine Dosis sublingual gefunden hast, ist sie geschluckt nicht automatisch dieselbe.
Welcher Alkohol?
Weingeist mit 96 Prozent ist das effizienteste Lösungsmittel – er zieht Cannabinoide am vollständigsten heraus. Dafür brennt er pur auf der Schleimhaut und eignet sich sublingual nur verdünnt.
Wodka mit 40 Prozent ist milder und angenehmer einzunehmen, extrahiert aber deutlich schlechter – rechne mit etwa der Hälfte der Ausbeute und plane längere Ziehzeiten ein.
Der übliche Kompromiss: mit Weingeist extrahieren, danach mit Wasser oder Glycerin auf etwa 50 bis 60 Prozent verdünnen. Das erhält die Ausbeute und macht die Tinktur einnehmbar.
Kalt oder warm ansetzen?
Kalt (Glas mehrere Wochen dunkel stehen lassen, täglich schütteln) ist am schonendsten und ergibt die aromatischste Tinktur. Es dauert nur eben Wochen.
Warm, bekannt als Green-Dragon-Methode: das verschlossene Glas 20 bis 30 Minuten in ein Wasserbad bei 60 bis 70 °C stellen. Das beschleunigt die Extraktion erheblich. Wichtig – und das ist kein optionaler Hinweis: Alkohol dieser Konzentration ist leicht entzündlich. Wasserbad, niemals direkte Flamme, kein Gasherd, gut lüften, Glas nur verschlossen erhitzen und vor dem Öffnen abkühlen lassen.
Tiefkühl-Variante: Alkohol und Cannabis getrennt für 24 Stunden ins Gefrierfach, dann kalt zusammengeben und 5 Minuten schütteln. Kalter Alkohol löst weniger Chlorophyll – das Ergebnis ist heller und schmeckt deutlich weniger krautig.
Die häufigsten Fehler
- Decarboxylierung übersprungen. Auch hier gilt: Ohne diesen Schritt löst der Alkohol THCA, und das wirkt nicht.
- Über offener Flamme erhitzt. Die gefährlichste Abkürzung überhaupt. Nur Wasserbad.
- Zu lange gezogen und dann ausgepresst. Nach etwa zwei bis drei Wochen ist kaum noch Zugewinn zu holen – danach löst sich vor allem Chlorophyll. Das Material abtropfen lassen, nicht auswringen.
- Im Licht gelagert. UV-Licht baut THC schneller ab als alles andere. Braunglas, dunkler Schrank.
- Ohne Pipette abgefüllt. Eine Tinktur ohne Dosierhilfe verschenkt ihren größten Vorteil.
Haltbarkeit und Lagerung
Alkohol konserviert. In einer dunklen Flasche, kühl und lichtgeschützt gelagert, hält eine Tinktur ein bis zwei Jahre – damit ist sie das langlebigste Cannabisprodukt, das du zu Hause herstellen kannst. Die Wirkung nimmt über die Zeit langsam ab, weil THC zu CBN oxidiert; im Gefrierfach passiert das noch langsamer.
Verdünnte Tinkturen mit Glycerin oder Wasser halten kürzer – rechne dort mit einigen Monaten.
Häufige Fragen
Wofür kann ich die Tinktur verwenden?
Sublingual als schnellste essbare Form, in Getränken, oder als Wirkstoffbasis für Rezepte ohne Fett – Gummibärchen, Bonbons, Saucen, Dressings. Überall dort, wo Cannabisbutter geschmacklich oder technisch nicht passt, ist die Tinktur die Alternative.
Kann ich den Alkohol verdampfen lassen?
Ja. Die Tinktur in einer flachen Schale im Wasserbad bei höchstens 60 °C einreduzieren – das konzentriert den Wirkstoff, ohne ihn zu beschädigen. Für Rezepte, die keinen Alkohol vertragen, ist das der entscheidende Zwischenschritt.
Warum ist meine Tinktur fast schwarz?
Zu lange gezogen, zu warm angesetzt oder das Material ausgepresst. Die Farbe stammt vom Chlorophyll, nicht vom Wirkstoff – die Tinktur ist nicht schlechter, schmeckt aber deutlich bitterer. Die Tiefkühl-Variante vermeidet das weitgehend.
Kann ich Trim oder Blattmaterial verwenden?
Ja, mit entsprechend niedrigerem Gehalt – rechne bei Blattmaterial mit 1 bis 4 Prozent statt 15. Die drei- bis vierfache Menge gleicht das ungefähr aus.
Hinweis: Alle Dosierungsangaben sind Schätzwerte auf Basis üblicher Wirkstoffgehalte. Ohne Laboranalyse lässt sich der tatsächliche THC-Gehalt nicht bestimmen. Beginne mit wenigen Tropfen und warte die volle Wirkung ab.
