Cannabinoide sind die wirksamen Inhaltsstoffe der Cannabispflanze und der Grund, warum Cannabis überhaupt eine Wirkung entfaltet. In diesem Ratgeber erklären wir, was Cannabinoide sind, welche wichtig sind, wie sie sich unterscheiden und wie sie im Körper wirken.
Was sind Cannabinoide?
Als Cannabinoide bezeichnet man eine Gruppe chemisch verwandter Verbindungen, die an spezielle Rezeptoren im Körper andocken. Man unterscheidet drei Typen: Phytocannabinoide aus der Pflanze, körpereigene Endocannabinoide und synthetische Cannabinoide aus dem Labor. In der Cannabispflanze wurden über hundert Phytocannabinoide nachgewiesen. Sie entstehen vor allem in den harzigen Trichomen der weiblichen Blüten.
Interessant ist, dass die Pflanze die Wirkstoffe zunächst in einer sauren Vorstufe bildet – etwa THCA oder CBDA. Erst durch Wärme werden daraus die aktiven Formen THC und CBD. Diesen Vorgang nennt man Decarboxylierung; er ist unter anderem die Grundlage jeder Zubereitung von Edibles.
Die wichtigsten Cannabinoide im Überblick
Auch wenn es über hundert gibt, kommen nur einige in relevanten Mengen vor:
| Cannabinoid | Berauschend? | Kurzcharakter |
|---|---|---|
| THC (Tetrahydrocannabinol) | ja | Hauptwirkstoff, verantwortlich für den Rausch |
| CBD (Cannabidiol) | nein | gilt als ausgleichend, dämpft THC-Effekte |
| CBG (Cannabigerol) | nein | „Mutter-Cannabinoid“, Vorstufe vieler anderer |
| CBN (Cannabinol) | schwach | entsteht beim Altern aus THC |
| CBC (Cannabichromen) | nein | seltener, wird aktuell erforscht |
Am bekanntesten sind THC und CBD. In unserer Sortendatenbank kannst du gezielt nach ihrem Gehalt filtern.
Wie wirken Cannabinoide im Körper?
Cannabinoide entfalten ihre Wirkung überwiegend über das Endocannabinoid-System – ein körpereigenes Regelsystem aus Rezeptoren und Botenstoffen, das an Prozessen wie Schmerz, Appetit, Stimmung und Schlaf beteiligt ist. THC dockt direkt an die sogenannten CB1-Rezeptoren an und löst so den Rausch aus. CBD wirkt indirekter und beeinflusst unter anderem, wie stark THC andockt – weshalb es die Wirkung von THC abmildern kann.
Das Zusammenspiel: Entourage-Effekt
Cannabinoide wirken nicht isoliert. Zusammen mit den aromatischen Terpenen ergibt sich möglicherweise ein Zusammenspiel, das als Entourage-Effekt bekannt ist. Diese These ist plausibel, aber wissenschaftlich noch nicht abschließend belegt.
Was sagt die Forschung?
Den bislang umfassendsten Überblick lieferte 2017 der Bericht der US-amerikanischen National Academies of Sciences (NASEM). Er ordnet die Datenlage nach Anwendungen: Für chronische Schmerzen bei Erwachsenen, chemotherapiebedingte Übelkeit und Spastik bei Multipler Sklerose gibt es demnach belastbare Hinweise auf einen Nutzen. Für viele weitere, oft beworbene Anwendungen ist die Studienlage dagegen dünn oder uneindeutig. Cannabinoide sind also weder Allheilmittel noch wirkungslos – die Forschung differenziert stark nach Einsatzgebiet.
Häufige Fragen
Wie viele Cannabinoide gibt es?
In der Cannabispflanze wurden über hundert verschiedene Phytocannabinoide nachgewiesen. Nur wenige davon – allen voran THC und CBD – kommen in nennenswerten Mengen vor und sind gut erforscht.
Machen alle Cannabinoide high?
Nein. Berauschend wirkt praktisch nur THC. CBD, CBG oder CBN lösen keinen Rausch aus, sondern werden eher mit ausgleichenden oder milden Effekten in Verbindung gebracht.
Was ist der Unterschied zwischen Phyto- und Endocannabinoiden?
Phytocannabinoide stammen aus der Pflanze, Endocannabinoide bildet der Körper selbst. Beide docken an dieselben Rezeptoren an – deshalb wirkt Cannabis überhaupt im menschlichen Körper.
Quellen
- National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine (2017): The Health Effects of Cannabis and Cannabinoids.
- Weltgesundheitsorganisation (2018): Cannabidiol (CBD) Critical Review Report.
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