Wachstumsphasen

In unserem Bereich für die verschiedenen Wachstumsphasen einer Cannabispflanze erfährst du alles, was du für deine erfolgreiche Zucht wissen musst. Von der Keimlingsphase über die Sämlings- und vegetative Phase bis hin zur Blütephase findest du in unseren Artikeln alles an Informationen und Produkten um deinen Grow auf die nächste Stufe zu heben.

Die fünf Phasen im Überblick

Eine Cannabispflanze durchläuft von der Keimung bis zur Ernte fünf klar unterscheidbare Abschnitte. Jeder stellt andere Anforderungen an Licht, Wasser und Nährstoffe – und wer sie kennt, erkennt früher, ob etwas aus dem Ruder läuft.

1. Keimung – Tag 1 bis 7

Der Samen nimmt Wasser auf, die Samenschale platzt, die Keimwurzel tritt aus. Benötigt werden nur Feuchtigkeit, 20 bis 25 Grad und Dunkelheit. Nährstoffe braucht der Keimling keine – alles Notwendige ist im Samen gespeichert. Wie das praktisch abläuft, steht im Beitrag Cannabis-Samen keimen lassen.

2. Sämlingsphase – Woche 1 bis 3

Zuerst erscheinen zwei runde Keimblätter, danach das erste echte Blattpaar mit der typischen gezackten Form. Die Wurzel arbeitet sich durch das Substrat, oberirdisch passiert wenig – das täuscht über die Bedeutung dieser Wochen hinweg.

  • Licht: 18 Stunden, aber schwach – 200 bis 400 µmol/m²/s
  • Luftfeuchte: 65 bis 70 Prozent
  • Wasser: sparsam, am besten mit Sprühflasche
  • Dünger: keiner

Der häufigste Fehler in dieser Phase ist zu viel des Guten: zu viel Wasser, zu viel Licht, zu viel Dünger.

3. Vegetative Phase – Woche 3 bis 8

Jetzt wächst die Pflanze sichtbar, oft mehrere Zentimeter am Tag. Sie bildet Blattmasse und Seitentriebe und legt damit fest, wie viel Blüte später möglich ist. Der Stickstoffbedarf ist in dieser Phase am höchsten.

  • Licht: 18/6, 400 bis 600 µmol/m²/s
  • Luftfeuchte: 55 bis 65 Prozent
  • Temperatur: 22 bis 28 Grad
  • Dünger: stickstoffbetont, langsam steigern

Dies ist auch das Zeitfenster für formgebende Eingriffe. Alles, was die Pflanze in Breite statt in Höhe bringt, gehört hierher – die Methoden beschreibt der Beitrag zum Pflanzentraining.

Wie lange diese Phase dauert, entscheidest du – ausser bei Autoflowering-Sorten, die von allein umschalten.

4. Blütephase – Woche 8 bis 18

Ausgelöst wird sie durch die Umstellung auf zwölf Stunden Licht und zwölf Stunden ununterbrochene Dunkelheit. Die Blütephase zerfällt in drei Abschnitte:

Streckung, Woche 1 bis 3. Die Pflanze verdoppelt bis verdreifacht ihre Höhe. Wer den Platz unter der Lampe nicht einkalkuliert, hat später ein Problem. Erste Blütenansätze zeigen sich an den Knoten – und hier entscheidet sich auch das Geschlecht: Weibliche Pflanzen bilden feine weisse Härchen, männliche kleine kugelige Pollensäcke, die entfernt werden müssen.

Blütenbildung, Woche 4 bis 6. Das Höhenwachstum endet, die Blüten werden dicker und beginnen zu duften. Der Bedarf verschiebt sich von Stickstoff zu Phosphor und Kalium. Die Luftfeuchte sollte jetzt sinken – auf 45 bis 55 Prozent.

Reifung, ab Woche 7. Blüten gewinnen an Dichte und Harz, das Aroma wird intensiv. Luftfeuchte weiter runter auf 40 bis 45 Prozent, um Blütenfäule zu vermeiden. Vergilbende untere Blätter sind jetzt normal.

5. Ernte

Nicht der Kalender entscheidet, sondern der Zustand der Harzdrüsen. Wie du ihn beurteilst, steht im Beitrag zum Erntezeitpunkt.

Klimawerte auf einen Blick

  • Sämling: 20–25 °C, 65–70 % Luftfeuchte
  • Vegetativ: 22–28 °C, 55–65 %
  • Frühe Blüte: 20–26 °C, 45–55 %
  • Späte Blüte: 18–24 °C, 40–45 %

Was in welcher Phase schiefgeht

Probleme lassen sich meist einer Phase zuordnen. In der Sämlingsphase dominiert Staunässe, in der vegetativen Phase Nährstoffprobleme und Schädlinge, in der Blüte Schimmel und Lichtstress. Wer weiss, worauf er in der aktuellen Phase achten muss, findet Probleme früher – und früh gefundene Probleme sind fast immer die kleineren.

Wie lange vegetativ wachsen lassen?

Das ist die einzige wirklich freie Entscheidung im Ablauf – und sie bestimmt die spätere Grösse. Als Orientierung dient die Streckung: Die Pflanze verdoppelt bis verdreifacht nach dem Umstellen ihre Höhe. Wer ein Zelt mit 1,80 Meter Innenhöhe hat und darin Lampe, Topf und Abstand unterbringen muss, sollte bei etwa 40 bis 50 Zentimetern umstellen.

Zwei weitere Anhaltspunkte: Die Pflanze sollte mindestens vier bis fünf Blattpaare haben, und nach einem Trainingseingriff braucht sie fünf bis sieben Tage Erholung, bevor umgestellt wird.

Die Blütephase Woche für Woche

  • Woche 1–2: Starke Streckung, kaum Blütenansätze. Nährstoffe noch stickstoffbetont.
  • Woche 3: Streckung läuft aus, erste weisse Härchen büscheln sich an den Knoten. Umstellung auf Blütendünger.
  • Woche 4–5: Sichtbare Blütenbildung, erste Trichome, der Geruch setzt ein. Jetzt Luftfeuchte senken.
  • Woche 6–7: Blüten gewinnen an Dichte und Gewicht, Harzbildung nimmt deutlich zu.
  • Woche 8–9: Reifung. Untere Blätter vergilben – das ist normal. Täglicher Blick auf die Trichome.
  • Ab Woche 10: Nur noch bei spät reifenden Sorten. Der Kalender ist ab hier bedeutungslos.

Diese Angaben gelten für eine mittlere Sorte. Sativa-dominante Genetiken brauchen länger, Indica-dominante weniger – zu den Unterschieden siehe Indica und Sativa.

Das Geschlecht bestimmen

Zwischen Woche eins und drei der Blüte zeigt sich, was in der Pflanze steckt – sichtbar an den Blattachseln:

  • Weiblich: zwei feine, weisse Härchen, die paarweise aus einem kleinen Kelch treten. Nur diese Pflanzen bilden die harzreichen Blüten, um die es geht – mehr dazu unter Bestandteile der weiblichen Cannabispflanze.
  • Männlich: kleine, runde Pollensäcke an kurzen Stielen, ohne Härchen. Sie gehören entfernt, bevor sie aufplatzen – sonst werden alle weiblichen Pflanzen bestäubt und stecken ihre Energie in Samen statt in Harz.
  • Zwitter: beides an derselben Pflanze, meist ausgelöst durch Stress wie Lichteinbrüche in der Dunkelphase oder starke Temperaturschwankungen. Auch hier gilt: Pollensäcke entfernen oder die Pflanze aussortieren.

Bei feminisiertem Saatgut entfällt diese Sorge weitgehend – samenlose Blüten sind unter dem Begriff Sinsemilla bekannt.

Die Dunkelphase ist keine Pause

In der Blüte muss die Dunkelphase wirklich dunkel sein. Cannabis misst die Länge der ununterbrochenen Dunkelheit; schon eine Kontrollleuchte oder ein kurzer Blick mit Licht kann den Rhythmus stören und im schlimmsten Fall Zwitterbildung auslösen. Wer nachts nachsehen will, nimmt eine grüne Lampe – dieser Wellenlängenbereich beeinflusst den Blührhythmus kaum.