Autoflowering-Sorten blühen nicht, weil sich der Lichtzyklus ändert, sondern weil eine bestimmte Zeit vergangen ist. Dieser eine Unterschied ändert fast alles: den Zeitplan, die Topfwahl, den Umgang mit Fehlern.
Woher die Eigenschaft kommt
Verantwortlich ist Cannabis Ruderalis, die dritte Unterart neben Indica und Sativa. Sie stammt aus nördlichen Regionen mit sehr kurzen Sommern, in denen ein Warten auf kürzere Tage tödlich wäre. Ruderalis blüht deshalb altersabhängig. Moderne Autoflowering-Sorten kreuzen diese Eigenschaft mit dem Wirkstoffgehalt und Aroma klassischer Genetiken.
Der Zeitplan
Vom Keimen bis zur Ernte vergehen typischerweise zehn bis zwölf Wochen. Die Blüte beginnt meist zwischen Tag 21 und 30 von allein – unabhängig davon, wie gross die Pflanze zu diesem Zeitpunkt ist.
Daraus folgt die zentrale Konsequenz: Die ersten drei Wochen entscheiden über den Ertrag. Was die Pflanze bis zum Blütenbeginn nicht an Masse aufgebaut hat, holt sie nicht mehr auf. Ein Wachstumsrückschlag in Woche zwei ist bei einer photoperiodischen Pflanze eine Verzögerung – bei einer Autoflowering ein dauerhafter Verlust.
Was man deshalb anders macht
- Direkt im Endtopf keimen. Umtopfen kostet Tage, die fehlen. Sieben bis elf Liter von Anfang an.
- Kein Umtopfen, kein Topping. Jeder Eingriff mit Erholungsphase geht direkt vom Ertrag ab. Wer trainieren will, nimmt LST.
- Vorsichtig düngen. Junge Autoflowering-Pflanzen reagieren empfindlich. Halbe Dosis und langsam steigern; leichte Unterversorgung ist besser als eine Überdüngung, deren Korrektur eine Woche kostet.
- Durchgehend langer Lichttag. Üblich sind 18/6 oder 20/4 – vom Keimen bis zur Ernte, ohne Umstellung.
Vor- und Nachteile
Dafür spricht
Der kurze, planbare Durchgang. Die Unabhängigkeit vom Lichtzyklus – lichtdichte Abtrennung ist unnötig, und mehrere Pflanzen unterschiedlichen Alters können nebeneinander stehen. Die geringe Endhöhe von meist 50 bis 100 Zentimetern, was niedrige Schränke möglich macht. Und outdoor: zwei Durchgänge pro Saison sowie die Unempfindlichkeit gegen Strassenlaternen und Nachbarlicht.
Dagegen spricht
Der geringere Ertrag pro Pflanze, weil die Wachstumsphase kurz bleibt. Die fehlende Fehlertoleranz. Und die Unmöglichkeit, Stecklinge zu nehmen – ein Klon einer blühenden Autoflowering-Pflanze blüht sofort weiter und bleibt winzig.
Outdoor: der eigentliche Stärkebereich
Draussen spielen Autoflowering-Sorten ihre Vorteile aus. Wer im April aussetzt, erntet im Juli und kann direkt einen zweiten Durchgang bis September anschliessen. Weil sie klein bleiben, fallen sie weniger auf, und die kurze Standzeit reduziert das Risiko von Blütenfäule im feuchten Herbst deutlich.
Auch für Spätstarter sind sie die naheliegende Lösung – vergleichbar mit den schnellen Genetiken, die der Beitrag zur Outdoor-Saison beschreibt.
Wann ist geerntet?
Die Wochenangaben der Züchter sind bei Autoflowering-Sorten noch unzuverlässiger als sonst, weil Lichtmenge und Bedingungen den Ablauf stark verschieben. Es bleibt beim Blick auf die Trichome – alles andere ist Schätzung.