Von allen Dingen, die in einem Grow schiefgehen können, ist Blütenfäule die ärgerlichste. Sie tritt genau dann auf, wenn die Arbeit fast getan ist, sie breitet sich von innen nach aussen aus – und sie lässt sich nicht herausschneiden.
Botrytis: der Pilz, der von innen kommt
Botrytis cinerea, im Anbau meist Bud Rot oder Blütenfäule genannt, ist ein Grauschimmelpilz. Seine Sporen sind praktisch überall in der Luft vorhanden; sie keimen, sobald sie Feuchtigkeit und dichtes Gewebe finden. Deshalb trifft es zuerst die grössten, dichtesten Blüten – dort trocknet das Innere nach dem Giessen oder einer feuchten Nacht am langsamsten ab.
Woran man es erkennt
- Ein einzelnes Blatt mitten in einer Blüte welkt oder vergilbt ohne erkennbaren Grund – häufig das allererste Zeichen.
- Zieht man daran, löst es sich mit einem grauen, watteartigen Belag am Ansatz.
- Die Blüte wirkt aussen normal, lässt sich aber ungewöhnlich leicht eindrücken.
- Im Inneren zeigt sich braun-graues, bröseliges Gewebe.
- Muffiger, kellerartiger Geruch.
Verwechslungsgefahr besteht mit den Trichomen: Die glitzern kristallin und stehen einzeln, während Schimmelgeflecht matt, flauschig und flächig wirkt.
Was zu tun ist
Sofort und grosszügig entfernen. Die betroffene Blüte wird mitsamt einem deutlichen Sicherheitsabstand abgeschnitten – nicht auseinandergezupft, weil dabei Sporen freigesetzt werden. Danach Schere desinfizieren, bevor an einer gesunden Stelle weitergeschnitten wird.
Anschliessend gilt: Luftfeuchte runter, Luftbewegung hoch, täglich alle übrigen Blüten kontrollieren. Ist der Befall weit fortgeschritten und die Pflanze ohnehin nahe an der Reife, ist die vorzeitige Ernte der gesunden Teile meist die bessere Entscheidung als das Warten auf die letzte Woche.
Befallenes Material gehört entsorgt. Es zu trocknen und zu konsumieren, ist keine Option – Schimmelsporen und Pilzgifte bleiben auch nach dem Erhitzen erhalten und sind besonders für Menschen mit Atemwegserkrankungen oder geschwächtem Immunsystem riskant.
Echter Mehltau
Der zweite häufige Pilz zeigt sich anders: als weisser, mehliger Belag auf der Blattoberseite, der sich anfangs abwischen lässt. Er befällt zunächst Blätter, nicht Blüten, und ist dadurch früher zu bemerken und besser beherrschbar.
Begünstigt wird er durch hohe Luftfeuchte bei gleichzeitig schlechter Luftzirkulation und enge Pflanzenabstände. In der Wachstumsphase helfen Entfernen befallener Blätter, bessere Durchlüftung und gegebenenfalls Behandlungen auf Schwefel- oder Bicarbonatbasis. In der Blüte gilt dieselbe Einschränkung wie bei Schädlingen: nicht mehr sprühen.
Die Klimawerte, auf die es ankommt
Beide Pilze sind Klimaprobleme. Wer die Luftfeuchte über den Verlauf absenkt, entzieht ihnen die Grundlage:
- Sämlinge und Stecklinge: 65–70 %
- Wachstumsphase: 55–65 %
- Frühe Blüte: 45–55 %
- Späte Blüte: 40–45 %
- Trocknung: 55–60 %
Kritisch sind nicht die Tageswerte, sondern die Nacht. Wenn das Licht ausgeht, fällt die Temperatur – und weil kühlere Luft weniger Wasser aufnehmen kann, steigt die relative Feuchte, ohne dass sich die Wassermenge ändert. Genau in diesen Stunden entsteht Blütenfäule. Ein Hygrometer, das Minimal- und Maximalwerte speichert, deckt das auf.
Vorbeugen
- Luftbewegung im Bestand. Ein Umluftventilator, der die Blätter leicht bewegt, verhindert stehende feuchte Luft zwischen den Blüten.
- Abstand halten. Pflanzen, die sich berühren, trocknen an den Kontaktstellen nicht ab.
- Entlauben mit Mass. Grosse Schattenblätter im Inneren zu entfernen verbessert die Durchlüftung spürbar.
- Nicht abends giessen. Giessen zu Beginn der Lichtphase, damit die Feuchtigkeit tagsüber abtrocknet.
- Sortenwahl. Dichte Indica-Blüten sind anfälliger als lockere, luftige. Wer outdoor in feuchten Regionen anbaut, fährt mit schimmelresistenten Genetiken besser – siehe schnelle Sorten für die Outdoor-Saison.
- Nach Regen kontrollieren. Outdoor sind die Tage nach einem Regenguss die gefährlichsten überhaupt.
Wie es nach einer sauberen Ernte weitergeht, steht im Beitrag zum Trocknen – auch dort bleibt Schimmel das Hauptrisiko.