Beim Spalieren – oft auch als „Spiralisieren“ oder Aufleiten bezeichnet – werden Cannabispflanzen an Stützen, Netzen oder Gittern geführt und gehalten. Das formt in der Wachstumsphase das Blätterdach und fängt in der Blüte die Last der schweren Blüten ab, damit die Zweige nicht einknicken. Richtig eingesetzt sorgt es für gleichmäßigeres Licht, bessere Belüftung und spürbar mehr Ertrag.
Was bedeutet Spalieren beim Cannabis?
Ein Spalier ist ein Gerüst oder Netz, an dem die Pflanze aufgeleitet wird. Der Begriff stammt aus dem Obst- und Gemüsebau, wo Pflanzen seit jeher an Rankhilfen gezogen werden. Beim Cannabisanbau erfüllt das Spalieren zwei Kernaufgaben: Es gibt der Pflanze Struktur und verteilt die Triebe in der Fläche, und es stützt die schweren Blütenstände, sodass Äste unter dem eigenen Gewicht nicht abbrechen.
Spalieren wird häufig mit Trainingsmethoden kombiniert – etwa mit Low Stress Training (LST) oder High Stress Training (HST) wie Topping und Fimming. So entsteht ein flaches, breites Blätterdach statt einer einzelnen dominanten Spitze.
Warum Cannabis Stützen braucht
Gerade ertragreiche Sorten bilden dichte, schwere Blüten aus. Ohne Halt biegen sich die Zweige, knicken ab oder legen sich flach – im schlimmsten Fall bricht kurz vor der Ernte ein ganzer Haupttrieb. Ein Spalier beugt dem vor und bringt weitere Vorteile:
- Bessere Lichtverteilung: Werden die Triebe in der Fläche verteilt, erreicht das Licht viel mehr Blütenstellen gleichmäßig, statt nur die Spitze zu bestrahlen.
- Mehr Luftzirkulation: Ein aufgelockertes Blätterdach trocknet schneller ab und beugt Schimmel, Mehltau und Schädlingen vor.
- Höherer Ertrag: Mehr belichtete Blütenstellen bedeuten mehr und dichtere Buds.
- Stabilität und Energie: Die Pflanze muss keine Energie ins bloße Aufrechtstehen stecken und kann sich auf die Blütenbildung konzentrieren.
- Einfacherer Zugang: Pflege, Entlaubung und Ernte fallen an einem gut geführten Spalier leichter.
Arten von Stützen und Spalieren
Von der simplen Rankhilfe bis zum ausgeklügelten Netz gibt es viele Varianten. Gängige Materialien sind Bambus- oder Holzstäbe, PVC-Rohre, Metallgitter, Schnur und Kunststoffnetze.
Einzelstützen (Stäbe, Käfige)
Der einfachste Weg: einzelne Stäbe (z. B. Bambus) neben dem Haupttrieb, an denen dieser mit Pflanzenband oder Schnur locker festgebunden wird. Tomatenkäfige dienen als innere Stütze in frühen Wachstumsphasen und halten mehrere Zweige gleichzeitig.
Vertikale Spaliere
Bei vertikalen Spalieren werden Netze oder Gitter senkrecht rund um die Pflanze gespannt – ähnlich wie eine Rankhilfe im Gemüsegarten. Sie stützen vor allem schwere, hohe Zweige und verändern das Höhenwachstum kaum. Diese Bauweise ist besonders im Freiland verbreitet.
Horizontale Spaliere und ScrOG
Horizontale Netze werden waagerecht über den Pflanzen gespannt. Die Triebe werden durch die Maschen geführt, sodass ein gleichmäßiges, flaches Blätterdach entsteht. Die intensivste Form ist ScrOG („Screen of Green“): ein horizontales Netz in Kombination mit wiederholtem Topping, Fimming und LST, mit dem Ziel eines möglichst ebenen Blätterdachs für maximale Lichtausbeute. Empfohlene Maschengröße für ScrOG-Netze: etwa 8 bis 15 cm große Quadrate.
Horizontal vs. vertikal im Vergleich
| Horizontal / ScrOG | Vertikal | |
|---|---|---|
| Ideal für | kleine Indoor-Räume | Outdoor, hohe Pflanzen |
| Hauptnutzen | gleichmäßiges Licht, flaches Dach | Abstützen schwerer Zweige |
| Einsatzzeitpunkt | früh in der Wachstumsphase | späte Wachstums-/frühe Blütephase |
| Aufwand | höher (mit Training) | geringer |
| Wirkung auf Höhe | begrenzt die Höhe | kaum Einfluss |
Indoor vs. Outdoor
Indoor ist das horizontale Spalier bzw. ScrOG die erste Wahl: Bei begrenzter Höhe und einer festen Lichtquelle sorgt das flache Blätterdach dafür, dass alle Blüten optimal ausgeleuchtet werden. Outdoor überwiegen vertikale Stützen. Sie fangen große, schwere Pflanzen ab und schützen vor Wind. Wandgebundene Spaliere bieten zusätzlich Windschutz und speichern Wärme.
Aufbau in der Praxis
Vertikales Spalier: vier Pfähle im Quadrat mit rund 30 cm Abstand setzen, darüber zwei horizontale Gitterlagen, dann die vier Seiten mit Netz bespannen.
Horizontales Spalier: sechs Pfähle mit 50–60 cm Abstand, mehrere parallele Gitterlagen; die erste Lage etwa 40 cm über dem Topfrand anbringen und die Triebe nach und nach hindurchführen.
Praktische Tipps
- Materialien stabil und straff spannen, damit sie das Gewicht tragen.
- Triebe sanft durch die Maschen führen – niemals mit Gewalt biegen oder ziehen.
- Zum Fixieren Pflanzenband, weiche Schnur oder locker gesetzte Kabelbinder verwenden (keine Einschnürgefahr).
- Am besten mit Topping, LST und gezielter Entlaubung kombinieren.
- Für gute Belüftung sorgen, besonders bei dichten Blätterdächern.
- Bei der Ernte das Netz aufschneiden, statt die Zweige mühsam hindurchzuziehen.
Häufige Fragen
Was bedeutet Spalieren beim Cannabis?
Das Aufleiten und Halten der Pflanze an Stützen, Netzen oder Gittern. Es formt das Blätterdach und stützt schwere Blüten, damit die Zweige nicht abknicken.
Warum sollte man Cannabis spalieren?
Für bessere Lichtverteilung, mehr Luftzirkulation, höheren Ertrag und Stabilität – die Pflanze knickt nicht unter dem Gewicht der Blüten ein.
Was ist der Unterschied zwischen einem Spalier und ScrOG?
Ein Standard-Spalier stützt vor allem. ScrOG kombiniert ein horizontales Netz mit Topping, Fimming und LST, um ein flaches Blätterdach für maximale Lichtausbeute zu erzeugen.
Wann bringt man das Spalier an?
Horizontale Netze/ScrOG früh in der Wachstumsphase, vertikale Stützen eher in der späten Wachstums- oder frühen Blütephase.
Kann man Autoflowering-Sorten spalieren?
Ja, aber nur leicht stützen und intensives Training vermeiden, da ihre kurze Wachstumsphase keine Erholung von starkem Stress erlaubt.