Cannabis-Stecklinge schneiden und bewurzeln

Ein Steckling ist ein exakter genetischer Klon der Mutterpflanze. Wer eine Pflanze gefunden hat, die zuverlässig liefert, muss sie nicht jedes Mal neu aus Samen ziehen – er vermehrt sie. Das spart die gesamte Keimphase und macht Ergebnisse planbar.

Was einen guten Steckling ausmacht

Nicht jeder Trieb eignet sich. Brauchbar sind Seitentriebe aus dem unteren bis mittleren Bereich einer gesunden Mutterpflanze, die sich in der Wachstumsphase befindet – nicht in der Blüte. Der Trieb sollte zehn bis fünfzehn Zentimeter lang sein und mindestens zwei bis drei Blattknoten haben.

Untere Triebe wurzeln erfahrungsgemäss besser als die oberen, weil sie einen höheren Anteil an Wachstumshormonen enthalten. Die Mutterpflanze sollte mindestens sechs bis acht Wochen alt und frei von Schädlingen sein – alles, was sie hat, wird mitübertragen.

Schritt für Schritt

  1. Werkzeug vorbereiten. Skalpell oder scharfe Schere, mit Alkohol desinfiziert. Eine stumpfe Klinge quetscht die Leitbahnen und verhindert das Anwurzeln.
  2. Schräg schneiden. Der Schnitt erfolgt im 45-Grad-Winkel direkt unterhalb eines Blattknotens. Die schräge Fläche vergrössert die Kontaktzone, aus der Wurzeln austreiben.
  3. Sofort ins Wasser. Den frischen Schnitt direkt in ein Glas Wasser tauchen – sonst zieht die Pflanze Luft in die Leitbahnen und der Steckling verwelkt.
  4. Untere Blätter entfernen, obere Blätter etwa zur Hälfte kürzen. Das reduziert die Verdunstung, solange noch keine Wurzeln versorgen können.
  5. Bewurzelungshilfe. Gel oder Pulver auf Basis von Wurzelhormonen auf die Schnittstelle. Nicht zwingend, erhöht die Erfolgsquote aber deutlich.
  6. Einsetzen in Steinwolle, Anzuchtwürfel, Kokos oder leichte Anzuchterde – und leicht andrücken, damit der Trieb Halt hat.

Die Bedingungen in den ersten Tagen

Ein Steckling hat keine Wurzeln und nimmt Wasser über die Blätter auf. Entsprechend hoch muss die Luftfeuchte sein:

  • Luftfeuchte: 70 bis 90 Prozent, am einfachsten mit einem Propagator oder einer transparenten Haube
  • Temperatur: 20 bis 25 Grad
  • Licht: schwach, 18 Stunden täglich – eine Energiesparlampe reicht völlig
  • Lüften: ein- bis zweimal täglich kurz, sonst beginnt Schimmel

Nach sieben bis vierzehn Tagen zeigen sich die ersten Wurzeln. Ab dann wird die Haube schrittweise länger geöffnet, damit sich der Steckling an normale Luftfeuchte gewöhnt.

Woran man Erfolg erkennt

Ein gutes Zeichen ist neues Wachstum in der Triebspitze – dann arbeiten Wurzeln. Sichtbare Wurzeln an den Seiten des Anzuchtwürfels sind der endgültige Beleg. Leichtes Hängen in den ersten zwei Tagen ist normal und kein Grund zum Nachgiessen.

Die häufigsten Fehler

  1. Zu viel giessen. Ohne Wurzeln kann der Steckling kaum Wasser aufnehmen. Nasses Substrat fördert nur Fäulnis.
  2. Zu viel Licht. Starke Beleuchtung treibt die Verdunstung hoch, die der Steckling nicht ausgleichen kann.
  3. Stecklinge von blühenden Pflanzen. Möglich, aber langwierig – die Pflanze muss erst wieder in die Wachstumsphase zurückfinden.
  4. Ungeduld. Am Steckling ziehen, um Wurzeln zu prüfen, reisst die feinen Ansätze ab.
  5. Stumpfes oder schmutziges Werkzeug. Die häufigste Ursache für Ausfälle ohne erkennbaren Grund.

Mutterpflanze dauerhaft halten

Wer regelmässig Stecklinge nehmen will, hält eine Mutterpflanze dauerhaft bei 18 Stunden Licht in der Wachstumsphase. Sie wird nie in die Blüte geschickt und regelmässig zurückgeschnitten, damit sie buschig bleibt und viele Triebe bildet. Formgebende Methoden wie die Spiralisierung helfen dabei, die Triebzahl zu erhöhen.

Wie sich die Pflanze über die Kultur hinweg entwickelt, beschreibt die Übersicht zu den Wachstumsphasen.

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