Beim Indoor-Anbau ist das Licht der wichtigste Einzelfaktor. Es ersetzt die Sonne vollständig – und es ist der Posten, an dem sich Sparen am deutlichsten rächt. Wer bei der Lampe zwanzig Euro spart, verliert im Ergebnis oft ein Vielfaches davon.
Die drei Technologien
LED
Heute der Standard. Moderne LED-Boards liefern ein volles Spektrum, erzeugen vergleichsweise wenig Abwärme und haben die beste Effizienz – also die meiste nutzbare Lichtmenge pro Watt. Die Anschaffung ist teurer als bei den Alternativen, die Lebensdauer dafür lang und der Stromverbrauch am niedrigsten.
Nachteil: Der Markt ist unübersichtlich, und gerade im unteren Preissegment stehen viele Fantasieangaben in den Datenblättern.
NDL / HPS – Natriumdampf-Hochdrucklampen
Jahrzehntelang der Maßstab in der Blütephase. Sie liefern viel Licht im roten Bereich und günstige Anschaffungskosten. Der Preis dafür ist erhebliche Abwärme, die in kleinen Zelten schnell zum Problem wird, ein höherer Stromverbrauch und Leuchtmittel, die etwa jährlich getauscht werden müssen.
CFL / ESL – Energiesparlampen
Schwach, aber günstig und kaum warm. Sinnvoll für Stecklinge und Sämlinge oder sehr kleine Anzuchtbereiche. Für eine ganze Blüte reicht die Lichtleistung nicht.
Worauf es bei den Angaben ankommt
Die Zahl, die auf Verpackungen am grössten steht, ist meist die unwichtigste.
- Watt beschreibt den Stromverbrauch, nicht die Lichtleistung. Achte auf die tatsächliche Leistungsaufnahme, nicht auf „entspricht 1000 W“-Angaben.
- Lumen misst Helligkeit für das menschliche Auge und ist für Pflanzen wenig aussagekräftig.
- PPF (Photosynthetic Photon Flux, in µmol/s) gibt an, wie viele für die Photosynthese nutzbare Photonen die Lampe insgesamt abgibt. Das ist die relevante Grösse.
- PPFD (µmol/m²/s) beschreibt, wie viel davon auf einer bestimmten Fläche ankommt – abhängig von Abstand und Ausleuchtung.
- Effizienz (µmol/J) ist die Kennzahl für das Verhältnis aus Lichtausbeute und Stromverbrauch. Gute LED-Systeme liegen bei 2,5 µmol/J und darüber.
Richtwerte für die Lichtmenge
Als grobe Orientierung für die Lichtintensität auf Höhe der Pflanzenspitzen:
- Sämlinge und Stecklinge: 200–400 µmol/m²/s
- Wachstumsphase: 400–600 µmol/m²/s
- Blütephase: 600–900 µmol/m²/s
Mehr ist nicht automatisch besser: Oberhalb von etwa 1000 µmol/m²/s kann die Pflanze das Licht ohne zusätzliches CO2 nicht mehr verwerten, und es entstehen Lichtstress und gebleichte Blütenspitzen.
Wie viel Leistung für welche Fläche?
Bei effizienten LED-Systemen haben sich diese Werte als praxistauglich erwiesen:
- 60 × 60 cm: etwa 100–150 Watt tatsächliche Aufnahme
- 80 × 80 cm: etwa 200 Watt
- 100 × 100 cm: etwa 250–320 Watt
- 120 × 120 cm: etwa 400–480 Watt
Bei NDL liegt der Bedarf für dasselbe Ergebnis deutlich höher – und mit ihm die Wärmelast, die die Belüftung abführen muss.
Abstand und Beleuchtungsdauer
Der richtige Abstand hängt vom Modell ab; die Herstellerangabe ist hier ausnahmsweise ein guter Startpunkt. Grobe Orientierung für LED: 40 bis 60 Zentimeter in der Wachstumsphase, 30 bis 45 in der Blüte. Ein einfacher Test ist die Handfläche auf Höhe der Spitzen – wird es dort unangenehm warm, ist die Lampe zu nah.
Bei den Lichtzeiten haben sich zwei Schemata etabliert: 18 Stunden Licht zu 6 Stunden Dunkelheit in der Wachstumsphase, 12 zu 12 zur Einleitung der Blüte. Ausnahme sind Autoflowering-Sorten, die unabhängig vom Lichtzyklus blühen – sie gehen auf Cannabis Ruderalis zurück und werden oft durchgehend mit 18 oder 20 Stunden gefahren.
Die häufigsten Fehler
- Auf beworbene Wattzahlen hereinfallen. „2000 W LED“ mit 200 W realer Aufnahme ist die Regel, nicht die Ausnahme.
- Zu wenig Licht für die Fläche. Führt zu langen, dünnen Trieben und lockeren Blüten.
- Randbereiche vergessen. Die Lichtstärke fällt zu den Ecken hin stark ab. Reflektierende Wände und eine gleichmässige Anordnung gleichen das teilweise aus.
- Dunkelphase unterbrechen. Während der Blüte stört jeder Lichteinfall in der Dunkelphase den Rhythmus.
- Wärme unterschätzen. Auch LED erzeugt Abwärme. Ohne Abluft steigt die Temperatur im geschlossenen Zelt schnell über den Wohlfühlbereich.
Bauformen bei LED
Hinter dem Sammelbegriff LED stecken sehr unterschiedliche Konstruktionen:
- Quantum Boards: Flache Platinen mit vielen kleinen Dioden. Sie leuchten breit und gleichmässig aus und sind der pragmatische Standard für kleine bis mittlere Zelte.
- LED-Bars: Mehrere schmale Leisten, die über die Fläche verteilt werden. Beste Gleichmässigkeit, besonders in grösseren Zelten, und die Wärme verteilt sich statt sich zu bündeln.
- COB: Viele Dioden auf einem einzelnen Chip. Sehr punktuell und intensiv, dadurch mehr Schattenwurf. Heute weitgehend von Boards und Bars abgelöst.
Das Spektrum – und warum Vollspektrum meist reicht
Pflanzen nutzen vor allem den Bereich zwischen 400 und 700 Nanometern. Blaues Licht fördert kompakten, gedrungenen Wuchs, rotes Licht die Blütenbildung. Fernrot um 730 Nanometer beeinflusst die Streckung.
Die früher verbreiteten violetten „Blurple“-Lampen setzten nur auf Rot und Blau. Moderne Vollspektrum-LEDs liefern weisses Licht mit allen Anteilen – das Ergebnis ist besser, und ein Nebeneffekt ist praktisch bedeutsam: Unter weissem Licht erkennt man Mangelerscheinungen und Schädlingsbefall, die unter violettem Licht unsichtbar bleiben.
Umschaltbare Spektren für Wachstum und Blüte sind ein nettes Extra, aber kein Kaufgrund. Ein gutes Vollspektrum funktioniert in beiden Phasen.
Dimmen ist kein Luxus
Ein Dimmer gehört zu den sinnvollsten Ausstattungsmerkmalen. Junge Pflanzen brauchen deutlich weniger Licht als blühende – ohne Dimmer bleibt nur, die Lampe höher zu hängen, was die Ausleuchtung verschlechtert. Mit Dimmer fährt man in der Anzucht auf 30 bis 50 Prozent und steigert schrittweise.
Stromkosten realistisch rechnen
Die Rechnung ist einfach: Leistungsaufnahme in Kilowatt × Stunden pro Tag × Tage × Strompreis.
Ein Beispiel für ein 100 × 100-Zelt mit 300 Watt: In der Wachstumsphase 0,3 kW × 18 h = 5,4 kWh am Tag, in der Blüte 0,3 kW × 12 h = 3,6 kWh. Über einen Durchgang von vier Wochen Wachstum und neun Wochen Blüte ergibt das rund 378 kWh allein für das Licht. Bei 35 Cent je Kilowattstunde sind das etwa 132 Euro. Dazu kommen Lüfter und gegebenenfalls Entfeuchter.
Genau hier liegt der eigentliche Kostenvorteil effizienter LED: Nicht der Kaufpreis entscheidet, sondern was über Jahre an der Steckdose zusammenkommt. Ein Vergleich der Gesamtkosten mit dem Weg über einen Verein findet sich im Beitrag Selbst anbauen vs. Cannabis Social Club.
Checkliste vor dem Kauf
- Ist die tatsächliche Leistungsaufnahme in Watt angegeben – nicht nur ein „entspricht“-Wert?
- Gibt es einen PPF-Wert in µmol/s und daraus abgeleitet eine Effizienz in µmol/J?
- Liegt eine PPFD-Karte für die vorgesehene Fläche und Höhe bei?
- Ist das Netzteil extern montierbar? Das hält Wärme aus dem Zelt.
- Ist die Lampe dimmbar?
- Passt die Ausleuchtung zur Zeltgrösse, oder bleiben die Ecken dunkel?
Lichtstress erkennen
Zu viel Licht sieht anders aus als Nährstoffmangel, wird aber häufig damit verwechselt. Typisch sind gebleichte, fast weisse Blütenspitzen direkt unter der Lampe, nach oben gefaltete Blattränder und gelbliche Verfärbungen ausschliesslich an den obersten, lampennahen Blättern – während die unteren Blätter gesund aussehen. Genau diese Verteilung von oben nach unten unterscheidet Lichtstress von einem Nährstoffproblem, das meist unten beginnt.
Welche Lampe zu welchem Aufbau passt, hängt am Ende an der Zeltgrösse – dazu findest du mehr unter Growing-Zelte für den Cannabis-Anbau.